Ironman 70.3 in Wiesbaden - Jasper Rittner vertritt den HTB würdig

Jasper Rittner beim Finish der Mitteldistanz in Wiesbaden.
Jasper Rittner beim Finish der Mitteldistanz in Wiesbaden.

 

Ein Erlebnisbericht von Jasper:

 

 

Letzten Sonntag habe ich also am Ironman 70.3 in Wiesbaden teilgenommen. Nebenbei hatte das Ding noch den Zusatz European Championship. Theoretisch hätte ich also auch Europameister werden können.

Anyway: entschieden für den Wettkampf habe ich mich kurz vor meiner Mitgliedschaft im HTB. Passte zeitlich und örtlich sehr gut. Und ich mag sehr diese großen Events mit sehr vielen Startern. In Wiesbaden waren immherhinnrund 3000 Profis und Amateure am Start. Außerdem dachte ich seinerzeit, dass mir die sehr bergige Radstrecke mit 1500 hm auf 91 km gut liegen würde. Hätte sie auch, wenn ich im Frühjahr mal anständig Zeit zum Trainieren gehabt hätte bzw. mich nicht seit Wochen mit heftigen Muskelproblemen in den Waden herumplagen würde. Dank der pharmazeutischen Industrie und vor allem den heilenden Händen von Fleur war ich guten Mutes, es doch zu wagen.

 

Und so fand ich mich am Sonntag gegen 7 Uhr mit der Triathlon-Weltelite und einer Riesenzahl agegrouper am Raunheimer Waldsee ein. Eigentlich ein übler Baggersee in der Einflugschneise des Flughafens Frankfurt. aber das interessierte niemanden. Um 7.30 Uhr starteten die Profis. Erst Jungs, dann Mädels. Um 7.35 h gingen die Frauen auf die Reise. Dann folgten um 7.45 h die Triathlon-Rentner - die Altersgruppe U 50 - mit mir. Anschließend ging es im zehn-Minuten-Takt altersmäßig bergab.

 

Ich war einer der wenigen, die bei 22,8 Grad Wassertemperatur auf den Neo verzichtet haben. Warum: Ich bin ja bekanntlich nicht der tolle Schwimmer und bekomme irgendwann die operierte Schulter nicht mehr aus dem Wasser. Dann ist Brust angesagt. Und da hilft der Neo nicht wirklich. War die richtige Entscheidung. Denn schon nach 150 m war der linke Arm so erschöpft, dass ich auf Brust umgestiegen bin. Und ich war nicht der einzige, was mich dann doch überraschte.

 

Wettkampfbesprechung in besonderer Atmosphäre
Wettkampfbesprechung in besonderer Atmosphäre

Der Kurs ging über zwei Abschnitte mit einem kurzen Landgang. Bereits auf dem ersten Abschnitt überholten mich einige ganz schnelle aus der zehn Minuten später gestarteten Gruppe. Trotzdem fühlte ich mich gut und konnte mich aus allem Gedränge heraushalten. Kurz vor dem Ziel kamen dann noch die ersten blauen Badekappen - das waren die, die 20 Min nach mir gestartet sind.

 

Dann ging's in die Wechselzone. Beutel schnappen, ab ins Zelt umziehen - und weiter. Ich habe da bestimmt eine Neo-Minute wieder rausgeholt. Der weg mit den Rädern war Land, was bei 3000 Startern ja nicht überrascht. Exakt 49.31 Minuten nach dem Schwimmstart überfuhr ich mit dem Rad die rote Startline. Das bedeutet, ich bin wohl nur so um die 43 min im Wasser gewesen. Für meine Verhältnisse sehr erfreulich. Und: Über die 1,9 km war ich nicht der letzte in meiner Startgruppe. Auch das gefiel mir.

 

Mit Hilfsmitteln ging es für Jasper in den Wettkampf.
Mit Hilfsmitteln ging es für Jasper in den Wettkampf.

Die Radstrecke gilt als eine der härtesten, viele hatten einen tierischen Respekt. Zunächst aber ging's recht harmlos los. Und ich konnte fleißig ballern. Die Tapes, die mir Fleur am Donnerstag vor dem Start noch gesetzt hat, hielten zwar nur noch zur Hälfte. Aber egal. Auf den ersten 30 km bei recht kühlem und windigen Wetter hatte ich noch einen Schnitt von 33 km/h. Das gab Sicherheit. angesichts der Höhenmeter und meiner Form hatte ich gehofft unter 4 Stunden fahren zu können.

 

Nach der ersten Verpflegung kamen dann auch die ersten heftigen Anstiege. In einem Waldstück bei Wiesbaden zeigte mein Garmin sogar einmal 18 Prozent an. Dann ging es die gut 5 km hoch zur Platte. So heißt der Häusern bei Wiesbaden. Der Name kommt wahrscheinlich daher, weil man Platt ist, wenn man oben auf 500 m Höhe ist. Weiter durch den Taunus. Und dann wieder rauf auf die Platte - und zum Glück auch wieder runter. Die 85 km/h bei der Abfahrt hübschen den Schnitt dann wieder auf. Am Ende schaffte ich mein Ziel. Mit 3.45 h blieb ich unter der Vier-Stunden-Marke. Übrigens: einige Profis brauchten auch über drei Stunden. Mit einem 30er Schnitt wäre man ganz weit vor gelandet. Wobei die Weltspitze da in weniger als zweieinhalb Stunden langgerast ist. Unglaublich.

 

Zum Schluss noch ein netter halbmarathon - dummerweise auch einer mit etlichen Höhenmetern. Auf vier Runden ging es überwiegend durch den Wiesbadener Kurpark - bei einem kurzen Gewitter. NAch anfänglichen Zeiten um die 5.15 bekam ich aber irgendwann magenprobleme und musste einen Abstecher in Richtung Dixie-Abteilung machen. Auch weil ich etwas schiss hatte wegen der völlig verhärteten Waden habe ich dann das Tempo deutlich reduziert und bin 6er-Zeiten gelaufen.

 

Mein Ziel, insgesamt bei den Stunden vorn eine 6 zu haben, geriet langsam in Gefahr. Nach einem heftigen Sprint auf den letzten 700 m hat es allerdings gerade noch geklappt.

 

Unterm Strich alle Ziele erreicht: 1. Angekommen, was angesichts der Verletzungsmisere ja nicht ganz so sicher war. 2. Nicht Letzter in der Altersklasse. 3. Die sechs vorn geschafft.

 

In meiner Altersklasse reichte das zu Platz 131. Der schlechteste Profi war gerade mal 20 Minuten schneller. Die Top-Stars aber Lichtjahre enteilt. Sieger m: Bart Aernout (Bel) 4.05 vor Peter Robinson (Aus) 4.08 und Maurice Clavel (Ger) 4.08. Bei den Mädels in einem Hammerfeld vorn Daniela Ryf (Sui) 4.26 vor Leanda Cave 4.34 und Laura Philipp (Ger) 4.36.

 

Fazit: nächstes Jahr vielleicht nochmal. Wenn ich fit bin, ist das meine Radstrecke. Da ist locker noch ne halbe Stunde drin. Und beim Laufen geht auch was mit fitten Waden.

 

 

 

 

 

 

Autor: J. Rittner