Pech für Jasper Rittner in Phuket


 

 

Hallo zusammen,


ich bin wieder im Lande - nach mehr als 40 Grad Temperaturunterschied. Und auch wenn man nach einem DNF wohl nicht wirklich gern einen Bericht verfasst, schreibe ich trotzdem ein wenig über meinen Trip nach Thailand. Denn: Die Veranstaltung ist mir sehr ans Herz gewachsen. Und villeicht hat ja der eine oder andere vielleicht in den kommenden Jahren mal Lust dort im HTB-Trikot zu schwitzen.



Zunächst vorab eine Anmerkung: So ein Trip nach Thailand klingt erstmal teuer. Allerdings liegen die Kosten bei schlauer Buchung auch nicht sonderlich über einem Trainingslager auf Malle. Denn die Kosten vor Ort sind ziemlich gering. Das nette Mittagessen in der Strandkneipe gab es schon für 1,20 Euro. Und wer dazu das örtliche Bier trinkt (oder auch was anderes), kann kaum Geld ausgeben. Zudem gibt es sensationelle Hotels zu bezahlbaren Preisen - auch wenn die Spanne mittlerweile vom Loch für 5 Euro bis zu Edelressorts für 1000 Euro die Nacht reicht. Fünf Sterne unter 100 Euro findet man fast überall im Land. In Bangkok kann man auch schon für 40 Euro in klasse Vier-Sterne-Schuppen wohnen.


Okay. Am 20.11. ging es ab Frankfurt über Bangkok mit F+F (Frau und Fahrrad) nach Phuket. Das Klima ist dort ziemlich heiß und feucht. Wir haben uns zum Aklimatisieren erstmal an den Südzipfel der Touristeninsel begeben. Dort gibt es reichlich steile Berge und eine Strecke, wo man recht gut laufen kann. Schwimmen im indischen Ozean sowieso. Vor dem Frühstück (so gegen 7 Uhr) gings erstmal allmorgendlich ne Runde laufen. Am Anfang war ich schon nach zwei, drei Kilometern völlig fertig. Morgens waren meist schon an die 30 Grad. Und an die Luftfeuchtigkeit musste man sich auch erst gewöhnen. Nach drei Tagen lief es aber mit dem Laufen ganz gut. Morgens sechs bis acht Kilometer. Und abends bei Einbruch der Dunkelheit nochmal eine Einheit. Ich habe versucht, konstante Kilometer-Zeiten zwischen fünf unf fünfeinhalb Minuten zu laufen. Anfangs ging das gar nicht, da war ne sechs schon toll. Am Schluss lief es dann viel besser.

 

Auf dem Rad war es etwas einfacher. Rechts und links vom Hotel gingen heftige Berge hoch. Der eine mit max 18 Prozent, der andere mit max 16. Die Anstiege waren zum Glück aber recht kurz. Nach dem Frühstück haben ich mich dann meist so zwei Stunden auf dem Rad gequält. Phuket ist eigentlich nicht schlecht für Rennradfahrer. Die Leute nehmen Rücksicht. Man kann sogar auf dem Bundesstraßen fahren (da ist allerdings die Luft nicht wirklich angenehm). Und: Vom Rad aus sieht man ganz viel von der Insel. Tropischen Regenwald, Touri-Burgen, das Meer, abgelegene Buchten und das pralle Leben.

 

Schwimmen war allerdings am einfachsten. Der Indische Ozean hat so um die 26 Grad. Das Wasser ist meist von sensationeller Klarheit. Und der Wellengang hielt sich bei mir in Grenzen. Ideal zum Freiwasser-Schwimmen. Dazu zwischendurch noch ab und an in den Pool.

 

Gut, dass auf dem Ipad meiner Frau soooo viele Bücher sind...


Drei Tage vor dem Rennen ging es dann nach Laguna, einem riesigen ferienkomplex, wo seit 21 Jahren ein Triathlon-Festival stattfindet. Am vorletzten Sonntag im November findet eine Kurzstrecke statt (1.8/55/12km). Am letzten Wochenende dann die Mitteldistanz. Insgesamt waren an beiden Tagen rund 2000 Aktive dabei (incl. Staffeln). Neben Amateuren aus 40 Ländern sind auch etliche Top-Profis dabei. Diesmal u.a. Melissa Hauschild und Belinda Granger bei den Frauen. Bei den Männern war Chris McCormack angesagt, aber nicht gekommen (wie schon in Rimini). Mit Luke McKenzie stand aber immerhin der Hawaii-Zweite von 2013 mit am Start. Er wurde am Ende Dritter. Den Sieg holte sich der Schweizer Rüdi Wild in 4.02.

 

Auch wenn als Normalo-Starter da bisweilen noch auf der Radstrecke unterwegs ist, so stehen doch Altersklassen-Ahlethen und Profis morgens um fünf Uhr einträchtig mit kleinen Augen in der Wechselzone. Bei ca. 26/27 Grad werden die Startnummern auf Arme und Beine gemalt, dann richtet sich jeder seine Wechselzone her. Und anschließend geht es durch dei Lagune per Boot zum Strand. Um 6.30 Uhr straten dort die Profil - nur Minuten, nachdem die Sonne aufgegangen ist. Der Strand ist voll von Triathleten und Angehörigen. Über der Szenerie kreist ein TV-HUbschrauber und aus den riesigen Boxen dröhnt Musik. Eine irre Stimmung, die jede Müdigkeit sofort vertreibt. Nach den Profis starten dann die Altersklassen in drei Gruppen. Ich durfte in der Mitte ran - mit dem Ü-50-Feld.


Die Schwimmstrecke ist einmalig im Triathlon. Zunächst werden 1,3 Kilometer im Indischen Ozean geschwommen. Bei zum Glück nur leichtem Wellengang konnte ich sogar einige Gelb-Kappen aus der fünf Minuten vorher gestarteten Gruppe kurz vor der Rückkehr an den Strand einholen. Dann ca. 100 Meter über die Dühne laufen und nochmal 600 Meter im klaren, aber sauwarmen Lagunenwasser zur Wechselzone. Eike sei Dank, etwa die Hälfte der Strecke bin ich gekrault, zwischendrin immer wieder Brust-Phasen, was die Orientierung im Meer auch vereinfachte. Zum Schluss habe ich sogar etwas rausgenommen, um mich fürs Rad nicht völlig zu verausgaben. Nach 48 Minuten war ich in der Wechselzone. Für meine Verhältnisse keine schlechte Zeit. In Wiesbaden war ich zwar etwas schneller. Aber da sind wie auch nicht im Meer geschwommen und mussten nicht über den Strand rennen.

 

Auf dem Rad ging es denn auch entsprechend motiviert los. Gleich konnte ich die ersten Überholungen machen. Was aber auch daran liegt, dass viele Asiaten ziemlich schlechte Radfahrer sind (dazu später mehr). Selbst mit 10.000-Euro-Rädern sind gerade die Japaner vermutlich langsamer als Jens mit ner Gazelle.

 

Der Radkurs gilt als technisch anspruchsvoll. Für manch einen ist er gar der spektakulärste überhaupt. Zunächst aber geht es harmlos los. Von der Wechselzone durch kleine Thai-Dörfer. Die Straßen sind komplett gesperrt. An jeder Ecke Polizei und Ordner. Super organisiert von der deutschen Challenge-Rennleitung. Auch einmalig: Auf der Radstrecke muss eine Fußgängerbrücke über eine Autobahn überquert werden - zu Fuß. Kurz danach hatte ich meinen ersten Platten. Schlauchwechsel ging recht flott, auch wenns das Hinterrad war. Aber durch das Auseinder- und Zusammenbauen für den Transport war ich ja in Übung.


Kurz darauf ging es dann in den Regenwald. Und dort warteten die richtigen Anstiege. Erst 14, dan 16 und schließlich 22 Prozent Anstieg. Das Training vorher auf der Insel hatte sich gelohnt. Als einer der wenigen in der Gruppe vor mir musste ich nicht absteigen und schieben. Ja, die meisten Triathleten schieben dort - wenn auch nur für 50 oder 100 Meter. Es ist auch in der Tat abartig steil. Im Sitzen fahren geht kaum, da dann das Vorderrad abhebt. Im Wiegetritt nach vorn gebeugt ist die einzige Möglichkeit.

 

Euphorisiert von meinem starken Bergtritt und einem Schnitt von rund 27 km/h (natürlich incl. der flachen Strecken zuvor) gings dann in die Abfahrt. Und etwa bei Kilometer 50 passierte dann das Unglück. Ich war zu schnell, die Kurve zu eng. Geradeaus stand immerhin ein Krankenwagen, der hätte helfen können. Ich musste also voll in die Eisen. Das Hinterrad blockierte zweimal, ich kam um die Kurve. Aber ein paar hundert Meter weiter bei der nächsten Bremsung gab es nur noch einen lauten Knall - ein ca. zehn Zentimeter großer Riss im Mantel. Ein verzweifelter Versuch mit Dichtspray schlug natürlich fehl. Aus, Ende, vorbei. Mein einziger Ersatzschlauch war bereits verbraucht. Und wer schleppt schon einen Mantel mit?

 

Nach einiger Zeit am Straßenrand kam ein Drafting-Marschall. Der organisierte mir immerhin ein Tuk-Tuk, das mich zu nächsten Verpflegungsstation brachte. Dort fand ich jemanden, der mich Richtung Wechselzone mitnahm. Und den letzten Kilometer ging ich dann mit dem Rad zu Fuß.

 


Was ich in dem Moment nicht wusste: Ich hatte wohl die einzige Zeitnahme schon überschritten als ich noch im Rennen war. Und die zweite Zeitnahme war erst in der Wechselzone. Theoretisch hätte ich jetzt noch den Halbmarathon laufen können - und vermutlich hätte niemand was gemerkt. Aber ich hätte mich auch nicht über ein Schummel-Finish freuen können. So wurde es mein erstes DNF. Und dabei hätte es eine prima Zeit werden können. Mein Ausfall passierte bei ca. 1.45 Stunden auf dem Rad und bei km 50. Auf den letzten 40 Kilometern wäre nur noch ein Berg, aber eine sehr lange Abfahrt gefolgt. Zusammen mit dem Schwimmen wäre ich für die beiden ersten Disziplinen auf etwa vier Stunden gekommen. Ein Halbmarathon in etwa zwei Stunden - dann wäre vielleicht noch die (für mich) sensationelle 5.59 drin gewesen (ich hätte mich auch über 6.20 gefreut).

 

Aber wie sagte schon Peer Steinbrück einst im Wahlkampf: Hätte, hätte, Fahrradkette...

 

Fazit: Spaß gemacht hat es trotzdem. Wir hatten einen tollen Urlaub. und ich kann nur jedem empfehlen, mal so ein exotischen Rennen zu machen. Man lernt Leute aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt kennen, die ebenso bekloppt sind, wie man selbst. Und wenn ich mal in Australien starten würde, hätte ich jetzt Kontakte, die mich beherbergen. Man ist eben nicht nur ein paar Stunden bei einem Wettkampf, sondern drei Tage vor Ort - und da ergeben sich nunmal auch nette Bekanntschaften.